Familienverband der Familie v. Treskow
 


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Orte > Radojewo (1797-1945)


Das in Sichtachse zu Owinsk auf einer Anhöhe jenseits der Warthe gelegene Gut Radojewo wurde vor 1806 in den Grundformen des Berliner Frühklassizismus errichtet. Obwohl Belege hierzu fehlen, kommen als Architekten nur die für David Gilly in Owinsk tätigen Berliner Karl Friedrich Schinkel und Ludwig Catel in Frage. Insbesondere Catel war in Owinsk für mehrere Bauten verantwortlich, die heute nicht mehr einzeln nachzuweisen sind. Bauherr war Otto Sigismund v. Treskow (1756-1825), der Radojewo zunächst seinem Sohn Benjamin (1785-1818) und ab 1812 seinem Schwiergersohn Antonius Graf v. Lüttichau (1778-1850) verpachtete.




1825 fiel Radojewo mit seinen Nebengütern Umultowo und Bolechowo an den Sohn Heinrich v. Treskow (1795-1861), Mitglied des preussischen Vereinigten Landtags von 1847. Mit der Vergrösserung des Hauses um 1850 verlor Radojewo zwar seine eleganten Grundformen, es bot fortan aber Platz für Heinrichs dreizehn Söhne. Die Baunische für das zentrale halbrunde Fenster, ein typisches Stilmerkmal für die unter David Gilly entstandenen Gutshäuser im Berliner Umland, ist innerhalb des Hauses bis heute erhalten.



   

Der zweitälteste, Otto v. Treskow (1831-1901), erbte 1861 Radojewo, Umultowo und Neudorf (Nowa Wies) mit zusammen 780 Hektar. Sein 65-jährige Sohn Hermann v. Treskow, Gutsherr in Radojewo seit 1901, weitgehend unpolitisch und niemals Mitglied der NSdAP, wurde am 1. September 1939 unmittelbar nach Kriegsbeginn auf einen polnischen Gefangenenmarsch verschleppt und kam wenige Tage später unweit von Kutno zu Tode. Sein Sohn Otto (1909-1995) führte die Gutswirtschaft bis 1945. Er liess 1992 im Park von Radojewo neben dem alten Familienfriedhof und dem Grab seines Vaters eine Gedenkplatte mit deutschem und polnischem Text aufstellen: „Przyslan i uczcij w tym miejscu pamiec zmartych ofiar bezsensownych i niszczycielslich wojen – Halt inne und gedenke hier der Toten und Opfer sinnloser und zerstörerischer Kriege.“


Blick über die Warthe nach Owinsk Das Nebengut Umultowo, Bauzustand 1996

Der Park von Radojewo war immer für seinen weiten Ausblick nach Posen und in das Warthetal bekannt. Die Sichtachsen nach Owinsk sind heute zugewachsen, aber die ursprüngliche Parkanlage bezog das auf einer Anhöhe gelegene und leuchtend weiss gehaltene Radojewo in die Gesamtkonzeption ein. Beide Orte waren durch eine Fähre über die Warthe verbunden. Schinkel entwarfe für die Fährstelle einen Pharus mit Aussichtsplattform, der aber ebenso wie ein geplanter Blumensalon für den Park in Owinsk vor dem politischen Zusammenbruch von 1806 nicht mehr realisiert werden konnte. Erst nach dem Wiener Kongress 1815 wurde weitergebaut: An der höchsten Stelle des Parks entstand ein hölzernes und später neugotisch aufgeführtes Bellevue, das anlässlich eines Besuchs der Fürstin Luise Radziwill im August 1815 den Namen „Luisenhöhe“ erhalten hatte. Luise war die Frau des preussischen Statthalters Fürst Anton Radziwill, die gemeinsam mit ihrem Bruder Prinz Louis Ferdinand v. Preussen im Berliner Schloss Friedrichsfelde aufgewachsen war. Sie liebe die Parkanlage in Radojewo und feierte hier noch am 24. Mai 1831 mit dem Generalfeldmarschall v. Gneisenau und den Offizieren der Posener Garnison ihren 61. Geburtstag. Die Parkanlage von Owinsk-Radojewo steht schon seit Ende der 1940er Jahre unter polnischen Landschaftsschutz. Nach neuesten Plänen soll hier der „Cysterski Park Kulturowy Owinska-Radojewo“ entstehen, ein Erholungs- und Ausflugsgebiet für die Stadt Posen. Das Gutshaus in Radojewo war bis 2004 in Wohnungen unterteilt und bewohnt, seither steht es leer. Über eine künftige Nutzung ist noch nicht entschieden.


 



Heutige Ausdehnung des Kulturparks Owinsk-Radojewo